Schwärmen im Valley, lernen in der Alley

Natürlich ist es begrüßenswert, wenn die Medienelite unseres Landes ins Flugzeug steigt, um sich einmal dort umzuschauen, wo der Medienwandel seinen Schwung her hat – im guten alten Silicon Valley. Schließlich haben dort ansässige Unternehmen das Konsumieren, Produzieren, Verbreiten und Monetarisieren von Inhalten, also das Mediengeschäft an sich komplett auf den Kopf gestellt. Zum einen kann man sich im Valley sehr gut inspirieren lassen, denn schon die Atmosphäre dort ist elektrisierend. Zum anderen geht es aber auch um das Ausloten von konkreten Geschäftsgelegenheiten. Alles schön und gut.

New York State of Media

Wenn man aber lernen möchte, wie all die spannenden Ideen, Konzepte und Technologien der digitalen Wirklichkeit auf das eigentliche Medienbusiness übertragen werden können, dann wäre eine Feldforschung in New York imho noch sehr viel gewinnbringender. Denn abgesehen von Tumblr geht es in NYC nicht darum, das nächste Google, Twitter oder Facebook zu bauen, sondern um mediennahe Innovationen, oftmals sogar direkt an der Schnittstelle Journalismus/Internet. Dabei denke ich nicht einmal an die wunderbar transformierende NY Times. Nein, wesentlich spannender in dem Kontext sind Startups wie BuzzFeed, NewsCred, Vimeo, Bitly, Digg, bloglovin, Chartbeat, SocialFlow. Die fünf Letztgenannten sind allesamt Produkte bzw. Firmen des Accelerators Incubators Funds Betaworks.

Betaworks, ein Medienunternehmen par excellence

Als ich vor einiger Zeit auf der FOWA London in einem Vortrag von bitlys Chief Scientist Hilary Mason saß, wurde mir schlagartig klar, was bitly wirklich ist. Nämlich eine Echtzeitvermessung der Mediennutzung von Menschen im Internet. Das war und ist an sich schon unglaublich spannend. Wenn man sich aber anschaut, was Betaworks (also die Firma hinter bitly) seither so alles unternommen hat, dann wird schnell klar, dass hier das vielleicht spannendste Medienunternehmen der Welt entstanden ist bzw. entsteht.

Besonders deutlich wurde die Strategie als der vor sich hindümpelnde Ex-Superstar des Internet, digg.com, übernommen und binnen weniger Wochen auf Vordermann gebracht wurde. Neben der “Big Data” Analyse von Linktraffic verfügt Betaworks seither über eine Agenda-setzende, kuratierende Crowd. Hinzu kommt Multimedia von vimeo, Vermarkung von NewsCred und Optimierungstools für Werbung und Kommunikation wie Chartbeat und SocialFlow. Wenn das nicht die entscheidenden Zutaten sind für ein wachstumsorientiertes Medienhaus, dann weiß ich auch nicht. Zumal Betaworks mit der Ankündigung, den Google Reader inklusive API nachzubauen und in Digg zu integrieren seine Ambitionen auf eine Vorherrschaft im internationalen Medienbusiness zusätzlich markiert hat (bin gespannt, was dann aus bloglovin wird, aber denen wird schon etwas einfallen).

Ich würde den Verlagsleitern und Chefredakteuren jedenfalls empfehlen, das nächste Mal eher an die Ostküste zu fahren und dort ein wenig Zeit zu verbringen im Umfeld von Firmen wie Betaworks. Denn die Ansätze dort sind sehr viel klarer übertragbar auf die eigenen Aktivitäten und Strategien als der Kampf um die Spitzenposition bei den global dominierenden Plattformen und Infrastrukturen. Mir ist natürlich klar, dass es auch spannende, kleinere Medien-Startups in Kalifornien gibt, z.B. Storify, circ.a oder medium.com, und ich vermute mal, dass die deutsche Delegation hier genauso vorstellig wurde wie bei Google & Co.

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Comments

  1. logischer schluss, ich hab in der einen hand eh schon fast alle linkdaten (url shortener) und sehe “emerging” stories, kann ich also gleich selber geschichtchen draus machen… oder ich ziehe mir eben eine curation crowd heran…

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