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I’m Klaus-Peter Frahm, and this is my (german) blog mainly about Product Thinking. Most of the stuff is a little dated, but hey, we can’t have it all :)

So, how about some fresh stuff from my Niuws box about product management?

Warum wir gerne Produkt sind

Ich mag App.net (ADN) total, und ich habe damals höchstens eine halbe Minute gezögert als Dalton Caldwell sein Projekt aus der Taufe hob und zum Mitmachen aufforderte. appNie zuvor habe ich 50 Dollar auf den Tisch gelegt, um dabei zu sein, wenn ein neue Plattform für Kommunikation auf den Markt kommt. Zum einen ging es (mir) darum, den eigenen Namen zu sichern auf einer potenziell wichtigen Plattform. Zum anderen fühlte es sich einfach gut an, ein derart ehrgeiziges Projekt zu unterstützen. Zumal Twitter gerade weitere API-Einschränkungen bekannt gegeben und damit der gesamten Entwicklergemeinde einmal mehr vor den Kopf gestoßen hatte.

Und tatsächlich hat sich in den letzten Monaten eine Menge getan. Viele tolle Apps sind auf Basis der ADN-API entstanden für alle möglichen Betriebssysteme, und es macht Spaß, damit rumzuspielen. Nur, mein Graph auf ADN ist bislang so gut wie überhaupt nicht gewachsen, und ich wage die Behauptung, dass das auch so bleiben wird. Denn aus meinem Umfeld sind nur eine Hand voll Leute bereit, Eintritt zu zahlen für eine Twitter-Alternative, die genau wie Twitter am Ende auch nur eine Firma mit Gewinninteressen ist.

Aber es geht nicht nur um die Paywall und potenzielles Misstrauen. Ich glaube, es gibt noch einen anderen, aus meiner Sicht viel entscheidenderen Grund, der gegen ADN als relevante Plattform für globale, persönliche Kommunikation steht. Nämlich die Grundidee, dass Nutzer kein Produkt sein wollen. Denn die ist imho falsch.

Ich werde umworben (and I kinda like it)

Sicher, es gibt Menschen, die es ganz bewusst und konsequent ablehnen, Zielgruppe der Werbewirtschaft zu sein. Aber das sind vergleichsweise wenige. Und wenn ich mir jüngere Generationen ansehe, dann werden das eher noch weniger als mehr. Für manch eine/n mag sich das resignativ und zynisch anhören, für mich klingt das nach einem Handel, der für beide Seiten Sinn ergibt. Und je bewusster die Nutzer auf diesen Deal eingehen, desto stärker kommt hier ein Grundbedürfnis zum Tragen, das diesen Deal zusätzlich bekräftigt. Nämlich dass Menschen prinzipiell gerne umworben werden. Das findet natürlich nicht im Konkreten statt, sondern unterschwellig. Keine/r stellt sich hin und sagt, „hey Samsung, ich will meinen persönlichen Mobilendgerät-Etat neu vergeben und lade dich zum Pitch ein“. Aber ich nehme wohlwollend wahr, dass Samsung sich mit pfiffiger Kommunikation um mich bemüht. Das macht mich (im Rahmen des Deals) relevant.

Wieso sollte ich also Geld bezahlen für eine Service, der davon ausgeht, dass ich nicht gerne umworben werde? Klar, es gibt ideologische Gründe, vor allem für Kinder der 68-Generation (deshalb war ich ja auch so schnell gehooked und habe tatsächlich gezahlt). Und es gibt das Bestreben nach Vielfalt, wenn es um das App-Ökosystem geht. Aber ehrlich gesagt bin ich als relativ normaler Nutzer komplett zufrieden mit dem, was Twitter mir bietet. Und das hat sich mit dem Start des nativen Werbeprogramms keinen Deut verändert.

Do you speak KPI?

tl;dr

Wenn man jemanden fragt, was der gemeinsame Nenner, das verbindende Element aller Unternehmen weltweit ist, also gewissermaßen das Backbone der Geschäftswelt, dann lautet die Antwort eigentlich immer Geld.

breakingbad_skylerwaltmoneyKlar, ab einem gewissen Punkt, stimmt das wohl. Aber darunter liegt eine Ebene, die noch entscheidender ist. Denn damit es überhaupt zu einer Transaktion von Geld kommen kann, müssen die jeweiligen Geschäftspartner sich aufeinander eingelassen haben. Klingt naheliegend. Interessanterweise ist aber kaum jemandem wirklich klar, was das genau bedeutet und wie das geht. Da ist immer viel Bauchgefühl dabei (ja, ist auch wichtig!), und weil die jeweiligen Akteure gut erzogen sind (bzw. so wirken wollen), kommt man eben ins Geschäft.

Problematisch wird es, wenn die betreffenden Unternehmenskulturen (sehr) verschieden sind. Wenn z.B. eine Firma offen und transparent agiert und die andere eher zugeknöpft. Oder wenn die eine bottom-up und die andere top-down organisiert ist. Oder wenn hier ein trockenes, statisches Produkt hergestellt und dort kreative Beratung geleistet wird. Aus eigener Erfahrung und Beobachtung kann ich sagen, dass das Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Kulturen der Normalfall ist, und der perfekte Match eher die Ausnahme. In vielen Fällen ist genau das sogar gewollt, z.B. wenn eine Versicherung eine Werbeagentur beauftragt oder ein Verlag eine agile Softwarefirma. Allerdings ist diese Unterschiedlichkeit gleichzeitig die Sollbruchstelle der Partnerschaft.

KPI als Lingua Franca

Damit die Geschäftsbeziehung für beide Seiten gewinnbringend bleibt, könnten sich die Beteiligten zunächst einmal bewusst klar machen, dass es diese Kluft gibt, und dass diese einfach in der Natur der Sache liegt. Der zweite Schritt könnte darin bestehen, gemeinsam klare Kriterien für den Erfolg der Zusammenarbeit festzulegen. Dabei wäre besonders wichtig, dass diesen Kriterien messbare Größen zu Grunde liegen. An dieser Stelle kommen die sog. Key Performance Indicators (KPI) ins Spiel.

Jede Organisation der Welt arbeitet auf die eine oder andere Weise mit KPI, die etwas über Erfolg oder Misserfolg aussagen und idealerweise bei der Steuerung von Prozessen helfen. Einige wollen es ganz genau wissen und messen alles, was überhaupt messbar ist (keine gute Idee). Andere messen gar nichts und betrachten stattdessen, was am Ende hinten rauskommt (auch keine gute Idee). Gut funktionierende Unternehmen identifizieren eine Hand voll wirklich relevanter KPI und schaffen so gleichzeitig Fokus, Transparenz und Handlungsgrundlage. So oder so, KPI werden bislang (per Definition) vor allem genutzt für die Steuerung und Analyse der Performance innerhalb von Organisationen.

In den seltensten Fällen kommen KPI zum Einsatz an der Schnittstelle zwischen zwei Geschäftspartnern. Natürlich gibt es immer irgendwelche Erfolgskriterien, nur sind die oft eher grob, weich und vor allem abweichend, weil sie zuvor nicht klar definiert und abgeglichen wurden. Und sie werden oft erst dann wieder herausgeholt, wenn das Kind bereits (fast) im Brunnen liegt. Deshalb ist es aus meiner Sicht so wichtig, solche Schlüsselindikatoren nicht nur intern einzusetzen, sondern als eine Art Verkehrssprache zu nutzen für die Kommunikation zwischen zwei in Geschäftsbeziehung stehenden Parteien.

KPI schaffen Orientierung

Sinn der Übung ist nicht, ein restriktives Controlling aufzusetzen und Menschen mit einem funky Dashboard zu steuern. Eher im Gegenteil – die Grundidee is, dass KPI für Orientierung sorgen, und zwar für alle an der Beziehung beteiligten Personen auf beiden Seiten. Jede/r sollte die KPI kennen und verstehen können, und Zugriff haben auf die jeweils aktuellen Werte. Dann wissen alle, ob die Beziehung gesund ist oder gefährdet, und zwar nicht auf einer „fühligen“ Ebene, sondern ganz konkret. Das gilt besonders für internationale Beziehungen. Denn wenn neben den verschiedenen Firmenkulturen zusätzlich die kulturellen Hintergründe unterschiedlichen Länder auf die gemeinsamen Prozesse wirken, dann wird es erfahrungsgemäß echt tricky.

tl;dr

Weder Geld noch englisch sind die Lingua Franca der Geschäftswelt, sondern KPI. Und wer deren Grammatik und Vokabular nicht lernt bzw. anwendet, wird früher oder später zurückfallen.

Ich sammle Marketing-Fässer

Zwei Dutzend habe ich schon, und eins davon (welches wohl?) hab ich selber aufgemacht …

1.  Content Marketing
2.  SoLoMo Marketing
3.  WoM Marketing
4.  Office Marketing
5.  Referral Marketing
6.  Search Marketing
7.  Guerrilla Marketing
8.  Drip Marketing
9.  Viral Marketing
10. Frisuren Marketing
11. Gender Marketing
12. Digital Marketing
13. Reverse Marketing
14. Micro Marketing
15. Database Marketing
16. Presales Marketing
17. Dialog Marketing
18. E-Mail Marketing
19. Online Marketing
20. Affiliate Marketing
21. Trojaner Marketing
22. Employer Marketing
23. Direkt Marketing
24. Social Media Marketing

Zahlen Sie bar oder mit Daten?

In diesem PaidContent-Artikel ist einmal mehr die Rede von einem Dilemma, dem sich die Medien ausgesetzt sehen. Nämlich dass man sich entweder für das Geschäftsmodell Werbung oder für eine Paywall entscheiden müsse und dass weder die eine noch die andere Strategie hinreichendes Potenzial böte. Nun, ich bin mir sicher, dass der eine oder andere schlaue Kopf in dem einen oder anderen Verlag das etwas anders sieht und schon einmal über die eine oder andere Mischform nachgedacht hat.

paywall

Zumindest wäre das aus meiner Sicht die naheliegende und vor allem nutzerorientierte Herangehensweise. Denn am Ende geht es doch vor allem darum, was die Leser wollen, ihnen also die Entscheidung zu überlassen, ob sie selbst lieber Produkt sind und dafür kostenfrei Inhalte konsumieren können, oder ob sie für Medienkonsum bezahlen möchten. Und weil die Leser ja nicht alle gleich sind, wäre es aus Sicht eines kommerziellen „Inhalteherstellers“ doch nur logisch, entsprechende Alternativen anzubieten. Zumindest kann ich in meiner Funktion als Medienkonsument sagen, dass ich sehr gerne selbst entscheiden würde, wie ich bezahle.

Lasst die Leser entscheiden

In begehbaren Geschäften wird man an der Kasse gefragt: „zahlen sie bar oder mit Karte?“. Oft kann man sogar (teilweise) mit Treuepunkten bezahlen. Im Mediengeschäft sollte die Frage lauten: „zahlen Sie mit Geld oder mit Daten?“. Und wenn man dabei hilft, die Inhalte in seinem eigenen Social Graph zu promoten, dann bekommt man dafür Prämienpunkte, mit denen man wiederum andere Inhalte werbefrei genießen kann. Okay, das ist jetzt stark vereinfacht und überhaupt nicht durchgerechnet. Aber wenn ich Medienmanager wäre, würde ich diesen Ansatz sehr ernsthaft verfolgen. Zumal er die Anforderungen aller Beteiligten erfüllt:

  • Leser können weiterhin kostenfrei Inhalte konsumieren, müssten sich aber damit einverstanden erklären, dass (anonymisierte) Nutzerdaten (z.B. Ort, Zeit, Geschlecht, Alter und aus der Mediennutzung abgeleitete Interessen) für gezielte Werbeeinblendungen genutzt werden dürfen
  • Die Medien werten damit ihr Mediaprodukt wesentlich auf und könnten einen höheren Preis aufrufen
  • Die werbende Wirtschaft könnte dann sehr viel zielgenauer und effizienter für ihre Produkte werben
  • Leser, die ihre Nutzungsdaten nicht freigeben möchten, könnten stattdessen mit Geld bezahlen
  • Leser, die bei der Verbreitung des Medienprodukts helfen, würden belohnt
  • Medien generieren durch die Incentivierung der Verbreitung zusätzlichen Traffic, den sie im Rahmen dieser „semipermeablen“ Paywall monetarisieren könnten

Am Ende liefe es hinaus auf ein medienübergreifendes Punktekonto, das ich als Medienkonsument auffüllen kann mit Geld oder Verbreitungspunkten – aber nicht auffüllen muss, um auf die Inhalte zugreifen zu können. Es entstünde ein „Ökosystem“, in dem sich alle Beteiligten wiederfinden und das eben nicht Google, Facebook oder Apple heißt.

Dass die Erschaffung eines solchen Modells nicht unkompliziert ist, steht glaube ich außer Frage. Die technologischen Herausforderungen wären dabei allerdings durchaus zu meistern (vorausgesetzt, das Investment stimmt). Viel schwieriger wäre es, genügend Partner ins Boot zu holen, die vertrauensvoll auf ein solches System setzen würden.

Der eine Weg wäre, eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen, so wie einst die dpa als Nachrichtengrundversorger oder die PMG als zentrale Lizensierungsstelle für Presseartikel. Dann säßen alle im Boot, aber gleichzeitig entstünden Entscheidungsstrukturen, die bestimmt schwerfälliger wären als die eines Technologieunternehmen aus dem Valley. Der andere Weg wäre, wenn ein (Groß-)Verlag so etwas starten würde, um zunächst einmal die Medienprodukte des eigenen Hauses auf diese Weise zu monetarisieren. Sollte das gelingen, könnten über ein faires Partnerprogramm weitere Medienhäuser eingebunden werden.

Naja, und wenn eine solches Ökosystem erstmal in der Welt ist, dann entstehen automatisch neue Ansätze für Wertschöpfungen aller Art. Mir würden da spontan drei, vier neue Produkte und Geschäftsmodelle einfallen, die durch Andockmöglichkeiten an ein solches System entstehen könnten. Aber das kann ich dann ja später immer noch weiterspinnen.

Stay tuned …

Schwärmen im Valley, lernen in der Alley

Natürlich ist es begrüßenswert, wenn die Medienelite unseres Landes ins Flugzeug steigt, um sich einmal dort umzuschauen, wo der Medienwandel seinen Schwung her hat – im guten alten Silicon Valley. Schließlich haben dort ansässige Unternehmen das Konsumieren, Produzieren, Verbreiten und Monetarisieren von Inhalten, also das Mediengeschäft an sich komplett auf den Kopf gestellt. Zum einen kann man sich im Valley sehr gut inspirieren lassen, denn schon die Atmosphäre dort ist elektrisierend. Zum anderen geht es aber auch um das Ausloten von konkreten Geschäftsgelegenheiten. Alles schön und gut.

New York State of Media

Wenn man aber lernen möchte, wie all die spannenden Ideen, Konzepte und Technologien der digitalen Wirklichkeit auf das eigentliche Medienbusiness übertragen werden können, dann wäre eine Feldforschung in New York imho noch sehr viel gewinnbringender. Denn abgesehen von Tumblr geht es in NYC nicht darum, das nächste Google, Twitter oder Facebook zu bauen, sondern um mediennahe Innovationen, oftmals sogar direkt an der Schnittstelle Journalismus/Internet. Dabei denke ich nicht einmal an die wunderbar transformierende NY Times. Nein, wesentlich spannender in dem Kontext sind Startups wie BuzzFeed, NewsCred, Vimeo, Bitly, Digg, bloglovin, Chartbeat, SocialFlow. Die fünf Letztgenannten sind allesamt Produkte bzw. Firmen des Accelerators Incubators Funds Betaworks.

Betaworks, ein Medienunternehmen par excellence

Als ich vor einiger Zeit auf der FOWA London in einem Vortrag von bitlys Chief Scientist Hilary Mason saß, wurde mir schlagartig klar, was bitly wirklich ist. Nämlich eine Echtzeitvermessung der Mediennutzung von Menschen im Internet. Das war und ist an sich schon unglaublich spannend. Wenn man sich aber anschaut, was Betaworks (also die Firma hinter bitly) seither so alles unternommen hat, dann wird schnell klar, dass hier das vielleicht spannendste Medienunternehmen der Welt entstanden ist bzw. entsteht.

Besonders deutlich wurde die Strategie als der vor sich hindümpelnde Ex-Superstar des Internet, digg.com, übernommen und binnen weniger Wochen auf Vordermann gebracht wurde. Neben der „Big Data“ Analyse von Linktraffic verfügt Betaworks seither über eine Agenda-setzende, kuratierende Crowd. Hinzu kommt Multimedia von vimeo, Vermarkung von NewsCred und Optimierungstools für Werbung und Kommunikation wie Chartbeat und SocialFlow. Wenn das nicht die entscheidenden Zutaten sind für ein wachstumsorientiertes Medienhaus, dann weiß ich auch nicht. Zumal Betaworks mit der Ankündigung, den Google Reader inklusive API nachzubauen und in Digg zu integrieren seine Ambitionen auf eine Vorherrschaft im internationalen Medienbusiness zusätzlich markiert hat (bin gespannt, was dann aus bloglovin wird, aber denen wird schon etwas einfallen).

Ich würde den Verlagsleitern und Chefredakteuren jedenfalls empfehlen, das nächste Mal eher an die Ostküste zu fahren und dort ein wenig Zeit zu verbringen im Umfeld von Firmen wie Betaworks. Denn die Ansätze dort sind sehr viel klarer übertragbar auf die eigenen Aktivitäten und Strategien als der Kampf um die Spitzenposition bei den global dominierenden Plattformen und Infrastrukturen. Mir ist natürlich klar, dass es auch spannende, kleinere Medien-Startups in Kalifornien gibt, z.B. Storify, circ.a oder medium.com, und ich vermute mal, dass die deutsche Delegation hier genauso vorstellig wurde wie bei Google & Co.

Berlin ist nicht Hamburg, und das ist gut so!

Ja, Berlin hat das Rennen gewonnen, und zwar nicht erst vor Kurzem. Die Rahmenbedingungen einer Metropole, die auf „arm aber sexy“ macht, und sich mit einer BRICS-artigen Raketenentwicklung aufs internationale Tech-Parkett geschossen hat, sind nicht zu toppen. Neben London ist Berlin DER Standort für Tech-Startups in Europa, der junge UnternehmerInnen und Talente aus aller Welt elektromagnetartig anzieht. Das ist so, und das kann meinetwegen auch so bleiben. Aber was bedeutet das für eine Stadt wie Hamburg? Ist dieser Elektromagnet so stark, dass er von der 1:45h Bahnfahrt entfernten Hafenmetropole nichts mehr übrig lässt?

Ich glaube kaum. Denn Hamburg wird sich besinnen auf die eigenen Stärken, auf das eigene Profil und sich mit ganz besonderen Leistungen und Bedingungen als spannende Alternative zu Berlin positionieren. Das passiert logischerweise nicht von selbst. Wenn man sich aber hier so umhört und an den verschiedenen Fronten (Wirtschaft, Politik und „Internetszene“) mit Leuten spricht, dann spürt man wie aus Ernüchterung und Eigenwille eine komische neue Energie, ein neues Selbstbewusstsein entsteht. Denn eins ist klar, Hamburg hat viel Geld, Hamburg hat eine große unternehmerische Tradition, Hamburg ist nach wie vor die Hauptstadt der Medien- und Kommunikationsbranche und Hamburg ist eine verdammt schöne Stadt, und mittlerweile ist das Leben in Hamburg auch nicht mehr (entscheidend) teurer als in Berlin. Man muss also wirklich kein Schachgroßmeister sein, um in dieser Gemengelage eine große strategische Chance zu erkennen.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein sehr interessantes Podiumsgespräch mit dem Tumblr-Co-Gründer David Karp auf der DLD12 ein. Er wurde gefragt, wie Tumblr sich als New Yorker Startup habe behaupten können gegen das übermächtige Tech-Ökosystem im Valley. Der relevante Teil des Interviews beginnt Minute 10:10 …

Okay, Hamburg ist nicht New York, und die Konkrurrenz zwischen SF und NYC ist auch kaum vergleichbar mit dem (sich in den letzten 20 Jahren dynamisch veränderten) Verhältnis zwischen Berlin und Hamburg. Auf der strategischen Ebene allerdings gibt es durchaus Parallelen, die Hamburg helfen werden, seinen Weg zu gehen.

Passenderweise haben sich zwei Protagonisten der New Yorker Startup-Community gerade genau diesem Thema angenommen und ein Buch mit dem zwar passenden, aber für meinen Geschmack etwas zu albernen Titel Tech And The City geschrieben. Das Vorwort kommt von VC-Legene Fred Wilson, der in seinem Blog auch eine kleine Kurzrezension verfasst hat.

Disclosure: ich bin Hamburger :)

Reblog: Kommunikation folgt Technologie

Drüben im Blog von news aktuell habe ich die kühne Behauptung aufgestellt, dass Entwicklungen (in) der Medien- und Kommunikationsbranche mehr oder weniger genau vorherzusehen sind. Leider kann ich das hier nicht 1:1 posten, weil Google meine Site dann wegen Inhalteduplizität abstrafen würde (keine Ahnung wie ich hier ein „no-follow“ tag einfüge). Deshalb muss ich mich, müssen wir uns mit einem Link begnügen:

Kommunikation folgt Technologie

Aufruf zur Disruption des Vertragswesens

Was passiert, wenn man Spielräume mit Bedacht beschränkt? Es beginnt ein kreativer Prozess, der – wenn’s gut läuft – zu mehr Effizienz, Output und Wirkung führt. Vorausgesetzt, ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit ist gegeben. Bestes Beispiel dafür ist Twitter, über dessen Erfolgsrezept der 140-Zeichen-Begrenzung hinreichend diskutiert wurde. Aber auch analoge Formate wie bspw. das gute alte Post-it oder der viel zitierte Bierdeckel im Zusammenhang mit eher komplexen Themen wie Steuererklärungen leben von der Idee der Kurzundbündigkeit.

Bierdeckel

Letzteres war (und ist!) natürlich nur ein weit ins Populistische ragende Wahlkampftrick und hat mit der Realität wenig zu tun. Denn das Mindestmaß wurde schlicht falsch gesetzt. Aber das sollte uns nicht daran hindern, doch einmal ernsthaft über ein sinnvolles, in der Fläche begrenztes Format für komplexere Dinge wie bspw. Geschäftsverträge nachzudenken. Denn wer beruflich schon einmal mit dem Aufsetzen von Vertragswerken zu tun hatte, weiß, dass man sich sehr schnell in weniger relevanten Details verlieren kann, die nach dem Willen der Juristen natürlich alle im Text berücksichtigt werden müssen. Am Ende kommt da oft ein kleines stattliches Monster heraus, das im Zweifel bei Bedarf nicht einmal richtig zubeißen kann und am Ende niemandem hilft – außer den hinzugezogenen Anwälten und Beratern natürlich.

Ich denke, dass hier ein gehöriges Disruptionspotenzial schlummert, denn das Bedürfnis nach schnelleren, einfacheren, handschlagartigen Vertragsabschlüssen ist zweifellos vorhanden. Gerade gestern bin ich über ein tolles Posting mit dem Titel Doing Business On A Handshake gestolpert, und ich weiß aus gut informierten Kreisen, dass das wirklich nicht die Meinung eines einzelnen Herren ist.

Wie könnte so ein Vertrags-Disruptor aussehen?

Mir schwebt da eine Kreuzung vor zwischen Twitter und ebay. D.h. zum einen eine Verknappung der zur Verfügung stehenden Zeichen (sollte in etwa einem normalen Blatt Papier ohne Kleingedrucktem entsprechen) und zum anderen einem Bewertungssystem für die Vertrauenswürdigkeit der beteiligten Vertragspartner. Der Punkt ist, dass nur die wesentlichen Punkte in dem Format festgehalten sind und alle Marginalien über ein gemeinsames Grundverständnis geregelt werden, zu dessen Beachtung sich die Partner per virtuellem Handschlag auf der Plattform committen. Deshalb hieße die Plattform natürlich byHandshake.com :)

Es wäre ein Leichtes, so etwas technisch und gestalterisch umzusetzen. Die eigentliche Herausforderung wäre, ein vernünftiges Wachstum an registrieren, aktiven Nutzern hinzubekommen – wie immer halt. Zumal es hier ja eher um juristische Personen geht als um natürliche. Aber früher oder später wird es so etwas geben (müssen), denn bald werden wir es uns nicht mehr leisten können, all die Ressourcen zu verschwenden, die bei den üblichen Vertragsbasteleien verloren gehen, vor allem wenn es international wird. Und wer diese Herausforderung als erste/r meistert, wird sich über mangelnde Monetarisierungsmöglichkeiten dann jedenfalls bestimmt nicht beklagen können, da bin ich mir ziemlich sicher.

What do you think?

EDIT: Paul Graham hat gerade eben das Handshake Deal Protocol veröffentlicht :)

Wer Twitters Strategie verurteilt, sieht die eigenen Fehler nicht

Seit Twitter vor zwei Jahren etwa angekündigt hat, seine API sukzessive einzuschränken, regen sich die Protagonisten der Developer-Gemeinde und auch die Journalisten aus deren Umfeld gebetsmühlenhaft über diese Entwicklung auf. Sie fühlen sich im Stich gelassen von Twitter, zu dessen prächtigem Wachstum sie nicht unwesentlich beigetragen haben. Vor allem in den Anfangsjahren haben zig tausende Entwickler an hunderten tollen Mashups, Services und Clients gearbeitet, die allesamt auf der API basierten und die Plattform Twitter immer bedeutender haben werden lassen.

Gestern hat Sean Scott mit seinem Post The Twitter Platform is dead – Long Live the Twitter Social Network diese Entwicklung ganz gut zusammengefasst, leider aber auch wieder in diesem Opferton, der mir mittlerweile immer mehr auf den Senkel geht. Ich habe das also wie folgt kommentiert …

imho, twitter is as trustable as it was in 2007. back then, it was a company that was supposed to grow fast and generate a lot of return for its investors. and it still is such a company. nothing really has changed, apart from a strategy pivot in the name of (financial) growth. as you say, the idea behind that pivot was to create a consistent product for advertisers, data resellers and mainstreamers. i really don’t blame them at all. instead, i’d like to put some blame on those who really thought twitter was some kind of a w3c project and now start/keep complaining about twitter letting us (the „real“ users, the developer community) all down. i think this is a rather naive thing to do. instead, these protagonists should have left twitter early on (2008) consequently and moved over to support the open source alternative identi.ca – full force! the reason why identi.ca never really took of is the fact, that the dev community prefered to work on the growth of a single company. like it or not, this is the sad truth, and i really hope this will be a lesson for all of us!

What do you think?